Archiv für Februar 2014

Erneut homophobe Demo in Stuttgart geplant

Wie bereits am 1. Februar, ruft die Initiative „Besorgte Eltern Baden-Württemberg“ für Samstag, den 1. März 2014, zu einer Kundgebung und Demonstration unter dem Motto „Gegen die Indoktrination unserer Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015“ auf dem Schlossplatz in Stuttgart auf.

In ihrer Pressemitteilung vom 9. Februar 2014, welche unter anderem auf dem verschwörungstheoretischen, rechten Onlineportal „PI-News“ zu finden ist¹, freut sich die Initiative darüber, dass ihre letzte Demonstration sehr erfolgreich gewesen sei und ruft dazu auf, weiter zu demonstrieren.

Die „Besorgten Eltern Baden-Württemberg“ fordern eine Überarbeitung des Bildungsplans für 2015, da „dem Thema „sexuelle Vielfalt“ als Leitprinzip […] zu viel Raum gegeben wird“¹. Sie scheinen sich in ihrem starren Festhalten am traditionellen Familienbild gestört zu fühlen. So empfinden sie es laut eigener Aussage „als eine massive Zwangsindoktrination, wenn den Kindern bereits in der Grundschule „die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit LSBTTI-Menschen nahegelegt werden.“¹ (Zeichenfehler im Original) und „finden es falsch, wenn […] Kinder die klassische Familie nur noch als eine von vielen Familienformen kennenlernen.“¹, wie es der neue Bildungsplan vorsieht.

Wir denken nicht, dass Reformen wie erneuerte Bildungspläne die Gesellschaft grundlegend ändern werden. Sie werden das Patriarchat nicht abschaffen.
Trotzdem können wir der Kritik der „Besorgten Eltern Baden-Württemberg“ am neuen Bildungsplan nur widersprechen!

Wie könnt ihr nur hassen, dass Menschen sich lieben?
Uns kotzt es an, in einer Gesellschaft zu leben, in der es normal ist zu Mann oder Frau erzogen zu werden, in der es normal ist heterosexuell zu sein.
Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der wir uns nicht in das Geschlechterkonstrukt „Mann“ und „Frau“ einordnen müssen, sondern für viele Geschlechter Platz ist; in der es normal ist Menschen zu lieben, ganz gleich welches „Geschlecht“ sie haben.
Wir können nicht verstehen, es als „Indoktrination“ zu bezeichnen, dass in der Schule nun endlich nicht mehr verschwiegen werden soll, dass es mehr gibt als Mann, Frau und Heterosexualität.
Wir haben kein Bock auf Feinde der Liebe!

Es ist davon auszugehen, dass sich im homophoben Mob wieder Kräfte von fundamentalistischen Christ*innen über AfD (Alternative für Deutschland) bis zu NPD einfinden werden, wie auch schon am 1. Februar².

Damals blieb den homophoben Christi*innen nach eigener Aussage nichts übrig, als zu Gott zu beten und auf seine Heerscharen und Worte zu vertrauen: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“³
Dieses sinnlose und rachsüchtige Gebete, ebenso wie Ordner*innen in „Jesus liebt dich“ – Westen, die, wie am 1. Februar geschehen, auf Gegendemonstrant*innen einschlagen, können wir zwar nur ablehnen, es deutet jedoch darauf hin, dass die Teilnehmer*innen der homophoben Veranstaltung doch nicht so zufrieden mit deren Ablauf waren.

Denn am 1. Februar hat es erfreulich gut geklappt hat, innerhalb weniger Tage viele Menschen zu mobilisieren, die Kundgebung zu stören und die Demonstration nach 1/3 der Route durch Blockaden zur Auflösung zu bringen. Daran möchten wir anknüpfen.

Wir werden am 1. März wieder nach Stuttgart fahren…

Zugtreffpunkte für Tübingen/Reutlingen
Achtung: Können sich noch ändern!
Tübingen Hbf | 12:45 Uhr
Reutlingen Hbf | 12:50 Uhr

… um für eine Gesellschaft jenseits von Patriarchat, Homo – und Transphobie einzutreten.